"Jelbi" intermodale App

"Jelbi" intermodale App

BERLIN

Wer Jelbi auf dem Mobiltelefon hat, der benötigt für viele Bereiche in Berlin kein eigenes Auto mehr. Die App, die von den Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) vorbereitet wird, soll den Umstieg erleichtern. Sie zeigt nicht nur, wie man per Bus und Bahn ans Ziel kommt, sondern lotst ihre Nutzer auch zu Mieträdern, E-Rollern, elektrischen Tretrollern, Carsharing-Autos sowie zu Ride-Sharing-Fahrdiensten. Besonders vorteilhaft: Mit Jelbi kann man die Fahrten auch bezahlen – eine Erleichterung im Vergleich zu heute, wo jeder Anbieter eine Extra-Registrierung fordert. „Das ist ein großer Schritt nach vorn“, sagte BVG-Chefin Sigrid Nikutta. Am Montag stellten BVG und Senat die Pläne vor. Jelbi soll ab Sommer 2019 verfügbar sein. Neue BVG-App Jelbi: Einfach, bequem und schnell → als VAG App nutzen! Geplant ist ein „Marktplatz der Mobilität“. „Wir wollen den Wechsel vom eigenen Auto zum Gemeinschaftsverkehr erleichtern“, sagteBVG-Digitalvorstand Henrik Haenecke. Getreu dem Versprechen, das BVG-Gründer Ernst Reuter, vor neun Jahrzehnten abgegeben hat: „Mobilität für alle und aus einer Hand“. Es gibt bereits die eine oder andere Meta-App, die es mit einer einzigen Registrierung ermöglicht, Angebote verschiedener Unternehmen zu nutzen. Ein Beispiel ist Free2Move, eine App für Sharing-Nutzer, mit der man Autos, Fahrräder und E-Rollern mieten kann. Jelbi bietet einen noch größeren Radius. Wer sich als Kunde anmeldet, bekommt eine komplette Mobilitätsplattform geboten – mit allen Funktionen von der Routenplanung bis zur Reservierung und zum Bezahlvorgang, so Haenecke. Es fehlen Firmen wie Car2Go und DriveNow. Für das Pilotprojekt, das bis Ende 2021 dauert, haben sich bei einem Interessenbekundungsverfahren mehr als 25 potenzielle Partner bei der BVG gemeldet – unter anderem die S-Bahn und Taxi Berlin. Sie teilen sich die Kosten. Beim Bikesharing sind Call a Bike/Lidl Bike, Deezer Nextbike, Donkey Republic, Jump, Lime und Mobike am Start. Sie bringen es zusammen auf eine größere fünfstellige Zahl von Fahrrädern, die auf Straßen und Plätzen verteilt auf Mieter warten. Beim Carsharing sind Cambio, Flinkster, Greenwheels, Miles, Mobileeee, Stadtmobil und Ubeeqo dabei. Emmy bietet Elektroroller an. Als Ridesharing-Anbieter sind Via Van, Partner der BVG beim Fahrdienst Berlkönig, und Clever Shuttle dabei. Wer diese Fahrdienste nutzt, muss damit rechnen, dass im Auto auch noch andere Fahrgäste mit ähnlichen Routen Platz nehmen. Auffällig bei Jelbi ist, dass sich das Carsharing auf stationsbasierte Angebote beschränkt – von Miles abgesehen. Die Autos stehen an bestimmten Stellen bereit, und an solchen Orten müssen sie auch wieder abgestellt werden. Es fehlen Firmen wie Car2Go oder DriveNow, die ihre Autos auf Straßen und Plätzen verteilen.Warum Car2Go und DriveNow bei Jelbi nicht dabei sind, ist klar: Die Ableger von Daimler und BMW haben eine eigene Smartphone-App entwickelt, die ebenfalls den Zugriff auf viele Mobilitätsangebote ermöglicht. „Wir laden auch diese Unternehmen ein, dabei zu sein“, sagte Haenecke. „Wir gehen davon aus, dass unsere App eine Dynamik entfaltet.“ Mobilität: „Der Kunde will einfach,  bequem und schnell durch die Stadt kommen. Er will nicht 15 Apps haben“! Bis Jelbi verfügbar ist, werde es aber noch einige Monate dauern, so die BVG. Partner ist das in Litauen gegründete Start-up Trafi, das in Fachkreisen bereits Aufsehen erregt hat. Was in Berlin erst noch eingeführt wird, ist in Litauens Hauptstadt Vilnius seit 2017 Realität: eine App, die den Zugriff auf gemeinschaftliche Verkehrsmittel erleichtert und private Autos vielerorts überflüssig macht. Inzwischen gibt es die Trafi-App auch anderswo, zum Beispiel in Estland, Lettland, Taiwan, Spanien und in Brasilien. „Der Kunde will einfach, bequem und schnell durch die Stadt kommen. Er will nicht 15 Apps haben“, sagt Jürgen Reiner von der Unternehmensberatung Oliver Wyman. Erstes Mobilitäts-Hub in Kreuzberg Die BVG will die Nutzung  von Alternativen zum Auto auch auf eine andere Art und Weise erleichtern. In Kooperation mit der landeseigenen Wohnungsbaugesellschaft Gewobag sollen in Berlin Mobilitäts-Hubs entstehen. „Sie sind der analoge Zwilling der Mobilitätsplattform“, sagte Verkehrssenatorin Regine Günther (parteilos, für Grüne). Autos, Fahrräder und andere Sharing-Fahrzeuge stehen dort bereit. Der erste Umsteigeort dieser Art wird im Sommer in der Gitschiner Straße 64 in Kreuzberg eröffnet. Weitere folgen auf Gewobag-Flächen am U-Bahnhof Jakob-Kaiser-Platz und nahe der Straßenbahnhaltestelle Landsberger Allee/Petersburger Straße. Warum heißt Jelbi überhaupt Jelbi? Ganz einfach, sagt Haenecke: Die BVG-Farbe ist Gelb, auf Berlinerisch Jelbi. Nun nur noch die Koseform – fertig ist der Name.